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Wie verändert KI den Arbeitsmarkt?

Kurze Antwort

Die Studien messen Potenziale, keine Stellenverluste. Laut IAB-Kurzbericht 5/2024 arbeiteten 2022 im Durchschnitt 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in einem Beruf, in dem mindestens 70 Prozent der Tätigkeiten technisch ersetzbar wären, 2019 waren es 34 Prozent. Das IAB betont, dass das nur die technische Machbarkeit zeigt. Für die Bewerbung hilft der Vergleich der Aufgaben in der Anzeige mit deiner Erfahrung.

CVTailor team Veröffentlicht 4 Min. Lesezeit

Studien messen, wie viele Tätigkeiten eine Technik übernehmen könnte, nicht wie viele Stellen wegfallen. Hier steht, was jede Quelle zählt und was sie offen lässt.

In diesem Artikel

Dieser Beitrag erklärt, was deutsche und internationale Quellen messen, wenn sie über künstliche Intelligenz und Beschäftigung schreiben, und was sie offen lassen. Eine eigene Prognose, welche Berufe wegfallen, geben wir nicht ab.

Welche Berufe ersetzt KI?

Eine Liste verschwindender Berufe haben wir in keiner öffentlichen Quelle gefunden. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berechnet stattdessen ein Substituierbarkeitspotenzial. Es sagt aus, welcher Anteil der Kerntätigkeiten eines Berufs von Computern oder computergesteuerten Maschinen vollautomatisch erledigt werden könnte.

Die Grundlage sind Angaben aus BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit. Drei Codiererinnen prüfen unabhängig voneinander mehr als 9.000 Tätigkeiten. Das IAB rechnet das für rund 4.600 Berufe, mit Stand 2022.

Heißt ein hohes Substituierbarkeitspotenzial, dass die Stelle wegfällt?

Nein. Das IAB schreibt selbst, dass es nur um technische Machbarkeit geht. Wird eine Tätigkeit als substituierbar eingestuft, heiße das nicht, dass sie in den nächsten Jahren tatsächlich ersetzt wird. Menschliche Arbeit kann wirtschaftlicher, flexibler oder besser sein, und rechtliche oder ethische Hürden können dagegenstehen.

Die ILO kommt zu einem ähnlichen Schluss. Sie schreibt in ihrem Update von 2025, dass die meisten Berufe Tätigkeiten enthalten, für die weiter Menschen gebraucht werden, und dass sich Berufe deshalb wahrscheinlicher verändern als verschwinden.

Welche Berufe sind laut IAB am stärksten betroffen?

Nach den Werten für 2022 liegt der Anteil substituierbarer Tätigkeiten in Fachkraftberufen mit 62 Prozent am höchsten, vor den Helferberufen mit 57 Prozent. Bei den Spezialistenberufen sind es fast 50 Prozent, bei den Expertenberufen knapp 36 Prozent.

Der stärkste Anstieg seit 2019 liegt aber bei den Expertenberufen, mit fast 10 Prozentpunkten. Das IAB führt den Anstieg vor allem auf generative KI zurück. Insgesamt arbeitete 2022 im Durchschnitt ein Anteil von 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in einem Beruf, in dem mindestens 70 Prozent der Tätigkeiten substituierbar sind. 2019 waren es 34 Prozent.

Wie viele Beschäftigte sind weltweit betroffen?

Laut ILO (2025) arbeitet einer von vier Beschäftigten weltweit in einem Beruf mit gewisser Exposition gegenüber generativer KI. Die ILO bewertet rund 30.000 Aufgaben, mit Befragungen, Expertengesprächen und Vorhersagen von KI-Modellen. Das ist eine geschätzte Fähigkeit und kein gemessener Einsatz.

Die ILO-Zahl und die IAB-Zahlen lassen sich nicht nebeneinanderlegen. Die ILO zählt Beschäftigte in Berufen mit irgendeiner Exposition. Das IAB zählt, wie viele Kerntätigkeiten eines Berufs ersetzbar wären.

Sieht man schon Folgen am Arbeitsmarkt?

Die Bundesregierung sieht keinen belegten Zusammenhang. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage, die der Bundestag am 21.08.2026 meldete, schreibt sie, die Folgen von KI ließen sich kaum von der anhaltenden Konjunkturschwäche und vom Strukturwandel durch Demografie, Dekarbonisierung und Digitalisierung trennen.

Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen laut Antwort, dass die Abgangsrate der Arbeitslosen unter 25 Jahren in Beschäftigung seit 2019 gesunken ist. Die Regierung findet keine Belege, dass das kausal mit KI zusammenhängt. Mehr als diese Einschätzung gibt die Quelle nicht her.

Was heißt das für deine Bewerbung?

Schau auf die Aufgaben in der Stellenanzeige und nicht nur auf den Titel. Stelle jeder Aufgabe gegenüber, was du selbst getan hast. Wie das geht, steht in Wie du deinen Lebenslauf an eine Stellenbeschreibung anpasst.

Wie ein Unternehmen deinen Lebenslauf mit Software einliest, ist eine eigene Frage. Der Leitfaden zum ATS-freundlichen Lebenslauf erklärt das Layout. Wenn du überlegst, in welche Richtung du dich bewerben sollst, hilft dir der Beitrag Welcher Job passt zu mir? mehr als jede Rangliste von Berufen.

Wie liest du die nächste Meldung zu KI und Jobs?

  1. Prüfe, was gemessen wird: Potenzial, Aufgaben, Einsatz in Betrieben oder tatsächliche Stellenverluste.
  2. Prüfe, wer gezählt wird: alle Beschäftigten, nur sozialversicherungspflichtige oder ein Land.
  3. Prüfe das Jahr. Die Quellen oben stammen von 2022 bis 2026.
  4. Prüfe, ob die Autoren ihre Grenzen nennen, wie es das IAB und die Bundesregierung tun.

Du bewirbst dich auf eine Stelle im Wandel?

CVTailor liest die Stellenanzeige und zeigt im Passungsbericht, welche Schlüsselwörter deinem Lebenslauf fehlen. Für jede Anzeige schreibt es aus deiner Erfahrung ein neues Kurzprofil, und du kannst vor dem Download alles bearbeiten.

Lebenslauf vergleichen

Häufig gestellte Fragen

Welche Berufe ersetzt KI?

Eine Liste von Berufen, die verschwinden, haben wir in keiner öffentlichen Quelle gefunden. Das IAB und die ILO zeigen, welcher Anteil der Tätigkeiten technisch übernommen werden könnte. Beide sagen, dass daraus kein Stellenabbau folgt.

Wie genau ist das Substituierbarkeitspotenzial?

Das IAB schreibt, es habe keine Angaben dazu, wie viel Zeit ein Beruf typischerweise auf eine Tätigkeit verwendet. Deshalb nimmt es an, dass jede Kerntätigkeit gleich viel Zeit braucht. Der Wert ist also eine Annäherung.

Sieht die Bundesregierung schon Folgen für junge Arbeitslose?

Nach ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 21/7620, Meldung vom 21.08.2026) ist die Abgangsrate der unter 25-jährigen Arbeitslosen in Beschäftigung seit 2019 gesunken. Einen kausalen Zusammenhang mit KI sieht sie nicht belegt.

Muss ich KI-Kenntnisse in den Lebenslauf schreiben?

Dazu haben wir keine Quelle gefunden. Verlangt die Anzeige Erfahrung mit einem bestimmten Werkzeug, schreibe in eigenen Worten, was du damit gemacht hast.

Quellen

  1. IAB-Kurzbericht 5/2024 von Grienberger, Matthes und Paulus. Das Substituierbarkeitspotenzial gibt den Anteil der Kerntätigkeiten eines Berufs an, den Computer oder computergesteuerte Maschinen vollautomatisch erledigen könnten, für rund 4.600 Berufe und mit Stand 2022. Das IAB schreibt, es gehe nur um technische Machbarkeit und substituierbare Tätigkeiten würden nicht zwingend ersetzt. Die Werte liegen bei Helferberufen bei 57 Prozent, bei Fachkraftberufen bei 62 Prozent, bei Spezialistenberufen bei fast 50 Prozent und bei Expertenberufen bei knapp 36 Prozent. IAB, Kurzbericht 5/2024
  2. Die Meldung des Bundestags (hib 656/2026, 21.08.2026) fasst die Antwort der Bundesregierung zusammen. Die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt ließen sich kaum von anderen Faktoren wie der Konjunkturschwäche und dem Strukturwandel trennen. Es gebe keine Belege, dass der Rückgang bei den Übergängen junger Arbeitsloser in Beschäftigung kausal mit KI zusammenhänge. Deutscher Bundestag, hib 656/2026
  3. Die ILO schreibt, dass einer von vier Beschäftigten weltweit in einem Beruf mit gewisser Exposition gegenüber generativer KI arbeitet, dass rund 30.000 Aufgaben bewertet wurden und dass die meisten Berufe sich eher verändern als verschwinden. Die Seite ist auf Englisch. ILO, Generative AI and jobs, Update 2025