Bewerben im ungekündigten Arbeitsverhältnis: was gilt in Deutschland
Ja. Wer in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis steht, darf sich bewerben, und wir haben keine Regel gefunden, die dazu verpflichtet, den Arbeitgeber vorab zu informieren. Für deine Eigenkündigung gilt gesetzlich eine Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende, vertraglich kann sie länger sein. Vorstellungsgespräche legst du am besten außerhalb der Arbeitszeit oder in Urlaub.
Heimlich bewerben ist in Deutschland nicht verboten. Wichtig sind deine Kündigungsfrist, die Frage der Freistellung für Gespräche und der Starttermin beim neuen Arbeitgeber.
In diesem Artikel
Sich bewerben, während man noch angestellt ist, ist in Deutschland alltäglich. Dieser Beitrag klärt die Punkte, die dabei wichtig sind: die Kündigungsfrist, die Frage nach freier Zeit für Gespräche und die Meldung bei der Agentur für Arbeit.
Das ist keine Rechtsberatung. Arbeitsvertrag und Tarifvertrag regeln vieles genauer.
Darf ich mich bewerben, wenn mein Arbeitsverhältnis nicht gekündigt ist?
Ja. Wir haben keine Vorschrift gefunden, die Bewerbungen oder Vorstellungsgespräche während eines laufenden Arbeitsverhältnisses verbietet. Die Agentur für Arbeit schreibt selbst, dass sich Beschäftigte jederzeit an sie wenden können und dafür keine Kündigung nötig ist.
Deine Pflichten gegenüber dem Arbeitgeber ändern sich, wenn du kündigst. Bis dahin gilt dein Vertrag unverändert, auch deine Arbeitszeit.
Muss ich meinem Arbeitgeber davon erzählen?
Eine Pflicht dazu haben wir nicht gefunden. Heimlich bewerben ist also nicht verboten.
Eine praktische Empfehlung, keine rechtliche Feststellung: Schreibe deine Bewerbung nicht in der Arbeitszeit und nicht auf Geräten des Arbeitgebers. Dort kann es eigene Regeln geben.
Wie lang ist meine Kündigungsfrist?
Gesetzlich vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats, wenn du selbst kündigst. Die IHK Frankfurt schreibt, dass diese Frist bei einer Kündigung durch den Arbeitnehmer immer gilt, also nicht mit den Dienstjahren wächst. In der Probezeit sind es zwei Wochen.
Vertraglich kann eine längere Frist stehen. Für dich darf sie aber nicht länger sein als für den Arbeitgeber. Tarifverträge können abweichende Fristen enthalten. Lies also zuerst Arbeitsvertrag und Tarifvertrag, bevor du einen Starttermin zusagst.
Welchen Starttermin nenne ich dem neuen Arbeitgeber?
Den, den deine Kündigungsfrist wirklich erlaubt. Die Frist endet zum 15. oder zum Monatsende, du kannst also nicht jeden beliebigen Tag nennen. Rechne ab dem Tag, an dem deine Kündigung beim Arbeitgeber ankommt.
Willst du früher gehen, braucht es die Zustimmung deines Arbeitgebers. Halte eine Einigung schriftlich fest. Eine Quelle zu den Folgen eines Weggangs ohne Einigung haben wir nicht gefunden.
Bekomme ich für Vorstellungsgespräche frei?
Vor einer Kündigung nicht als allgemeines Recht, soweit wir sehen. Der Wortlaut des § 629 BGB spricht von angemessener Zeit zum Aufsuchen eines anderen Dienstverhältnisses, und zwar nach der Kündigung. Die DGB-Jugend nennt die Vorschrift als Grundlage für die Freistellung bei Bewerbungsgesprächen. Ob und wie bezahlt wird, hängt vom Einzelfall ab, und die Quellen, die wir lesen konnten, regeln das nicht abschließend.
In einem ungekündigten Arbeitsverhältnis bleiben Urlaub, Gleitzeit oder eine Absprache mit deiner Führungskraft. Viele Gespräche lassen sich auch an den Rand des Arbeitstags legen.
Muss ich mich bei der Agentur für Arbeit melden?
Erst, wenn feststeht, dass dein Arbeitsverhältnis endet. Dann gilt: spätestens drei Monate vor dem Ende als arbeitsuchend melden, bei kurzfristiger Information innerhalb von drei Tagen. Eine zu späte Meldung kann beim Arbeitslosengeld Nachteile haben.
Hast du schon eine neue Stelle in Aussicht, sprich im Zweifel mit der Agentur, ob die Meldung für dich nötig ist.
Was ist anders, wenn ich arbeitslos bin?
Die Bewerbung selbst ist gleich. In beiden Fällen lohnt es sich, den Lebenslauf an die Stellenbeschreibung anzupassen. Der Unterschied liegt im Starttermin: Ohne Job kannst du meist früher anfangen, mit Job bestimmt deine Kündigungsfrist den Termin.
Im Anschreiben reicht dafür ein Satz zu deiner Verfügbarkeit.
So gehst du vor
- Prüfe im Arbeitsvertrag und Tarifvertrag Kündigungsfrist und Besonderheiten.
- Bewirb dich mit privatem Gerät und privater E-Mail-Adresse.
- Lege Gespräche an den Rand des Arbeitstags oder nimm Urlaub.
- Vereinbare bei einem Angebot einen Starttermin, der zur Kündigungsfrist passt.
- Kündige schriftlich, sobald das Angebot schriftlich vorliegt.
Brauchst du einen Lebenslauf pro Stelle?
CVTailor liest die Stellenanzeige und zeigt im Fit-Bericht, welche Stichwörter aus der Anzeige in deinem Lebenslauf fehlen. Du kannst alles bearbeiten, bevor du das PDF herunterlädst.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich mich bewerbe?
Eine Pflicht dazu haben wir nicht gefunden. Mit deinem Arbeitgeber sprichst du spätestens, wenn du kündigst.
Wie lang ist meine Kündigungsfrist, wenn ich selbst kündige?
Gesetzlich vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats, nach IHK-Angaben unabhängig von der Betriebszugehörigkeit. In der Probezeit sind es zwei Wochen. Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag können längere Fristen vorsehen.
Habe ich Anspruch auf frei für ein Vorstellungsgespräch?
Nicht aus einem allgemeinen Recht, solange nichts gekündigt ist. Der Gesetzestext des § 629 BGB spricht von angemessener Zeit zum Aufsuchen eines anderen Dienstverhältnisses nach der Kündigung. Davor helfen Urlaub, Gleitzeit oder eine Absprache.
Wann muss ich mich bei der Agentur für Arbeit melden?
Wenn dein Arbeitsverhältnis endet, spätestens drei Monate vorher als arbeitsuchend, bei kurzfristiger Information innerhalb von drei Tagen.
Quellen
- Die IHK Frankfurt nennt als gesetzliche Grundkündigungsfrist vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats, die bei Kündigung durch den Arbeitnehmer immer gilt. Vertraglich kann eine längere Frist vereinbart werden, für den Arbeitnehmer aber keine längere als für den Arbeitgeber. In der Probezeit gelten zwei Wochen. IHK Frankfurt am Main
- Die Agentur für Arbeit sagt, dass Beschäftigte sich jederzeit an die Agentur wenden können, ohne dass eine Kündigung oder Befristung vorliegen muss, und dass sie für notwendige Termine bei der Agentur vom Arbeitgeber freizustellen sind. Agentur für Arbeit Leipzig, Pressemitteilung 2026
- Die Bundesagentur für Arbeit nennt als Frist für die Meldung als arbeitsuchend spätestens drei Monate vor dem Ende der Beschäftigung, bei kurzfristiger Information drei Tage. Eine zu späte Meldung kann beim Arbeitslosengeld Nachteile haben. Bundesagentur für Arbeit
- Der Gesetzestext des § 629 BGB sieht vor, dass der Arbeitgeber nach der Kündigung eines dauernden Dienstverhältnisses angemessene Zeit zum Aufsuchen eines anderen Dienstverhältnisses zu gewähren hat. Es handelt sich um ein Rechtsportal, nicht um eine amtliche Seite. dejure.org
- Die DGB-Jugend verweist in einer Antwort der Beratung Dr. Azubi auf § 629 BGB als Grundlage für die Freistellung für Bewerbungsgespräche oder Probearbeit. Es ist eine Beratungsantwort, keine Rechtsprechung. DGB-Jugend, Dr. Azubi